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Die Entwicklung der Medizin in Tibet steht in engem Zusammenhang mit dem Buddhismus. Nach buddhistischer Vorstellung gilt die Unwissenheit als Hauptursache für die Verstrickung der Lebewesen im Kreislauf der Wiedergeburten, aber auch als wichtigste Ursache für das Entstehen von Krankheiten. Danach führen die aus der Unwissenheit hervorgehenden drei Geistestrübungen nicht nur zu unethischem Verhalten, sondern auch zu einem Ungleichgewicht der drei »Humores« und somit zur Krankheit. In der buddhistischen Tradition gilt der Buddha als Arzt und seine Lehre als Heilmittel. Das Vorgehen des tibetischen Arztes entspricht dem Aufbau der »Vier Edlen Wahrheiten«: Er stellt die Diagnose, fragt nach der Ursache, stellt die Prognose und bietet ein Heilmittel an.
Tibetische Ärzte, deren Kenntnisse auf den »Vier Tantras« beruhen, praktizieren sowohl die Pulsdiagnose, die Zungendiagnose und die Urinanalyse als auch die ausführliche Befragung nach Symptomen, Ernährungs- und Schlafgewohnheiten. Die Arznei umfasst Heilpflanzen, tierische und mineralische Substanzen sowie Vorschriften zu Ernährung und Verhalten, wie sie häufig auf Thangkas, sogenannten Rollbildern, detailliert aufgeführt sind.
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